Es war ein denkwürdiger Moment, das Finale des renommierten Concours Géza Anda 2015 im Grossen Saal der Tonhalle Zürich. Andrew Tyson entschied nicht nur den Wettbewerb für sich, sondern gewann auch den Preis für die beste Mozart-Interpretation und den Publikumspreis. Zuvor hatte er Chopins erster Klavierkonzert auf höchst poetische und ideenreiche Art und Weise gespielt. So überzeugend hat man das oft aufgeführte Konzert selten gehört! 

Nun kommt der gefeierte Preisträger nach Glarus mit einem bunten Soloprogramm, an dem er seinen Ideenreichtum aufs schönste wird ausleben können. Die erste Programmhälfte besteht aus Werken, die sich stetig zwischen feinem Klangsinn und jähen Ausbrüchen hin- und her bewegen. Den Auftakt bildet Franz Schuberts Klaviersonate A-Dur D 644, welche in Tonart A-Dur fein perlende Melodien überaus lieblich präsentiert – wären da nicht die plötzlichen Zäsuren, welche die über dem ganzen Stück liegende Anmut immer wieder in Frage stellen

Dann Leoš Janáček, der Zeitgenosse und Landsmann von Antonín Dvořák: Die böhmische Musiksprache ist beiden eigen, bei Janáček kommen noch bruchstückhafteexpressionistische Momente hinzu. So auch bei der Klaviersonate 1. X. 1905 – auf der Strasse: Janáček reagierte mit dieser Sonate auf den gewaltsamen Tod eines einfachen Handwerkers im Zug von politischen Demonstrationen in Brünn. Noch selben Tag begann er mit der Niederschrift der Sonate. Das zweisätzige dramatische Werk lebt von einer inneren Zerrissenheit, welche sich in schwelgerischen böhmischen Heimatklängen einerseits und schroffen, repetitiven Elementen andererseits zeigt – ein eindrückliches Werk jener wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeit.

Noch vor der Pause spielt Andrew Tyson ein kurzes, atemberaubendes Werk des zeitgenössischen armenisch-französischen Komponisten Michel Petrossian, «La lutte ardente du vert et de l’or»: Auch es bewegt sich zwischen dem für französische Musik so typisch feinen Klangsinn und dem Effekt lauter und virtuoser Passagen. 

Nach der Pause kann sich Andrew Tyson von seiner ur-pianistischen Seite präsentieren: So richtig beliebte und bekannte Klavierwerke wird er aufführen: Je eine Nocturne, eine Mazurka und eine Etüde von Frédéric Chopin und als fulminanten Abschluss die Rhapsodie espagnolewelche Franz Liszt nach spanischen Themen, aber ganz in seiner Manier komponierte – sprich: pianistisch und klanglich höchst delikat und vor allem halsbrecherisch schwierig.

BIOGRAFIE: Vom britischen Radio BBC 3 als «Poet am Klavier» bezeichnet, erhebt sich der 1985 geborene Amerikaner Andrew Tyson als neue und höchst bemerkenswerte Stimme in der Klavierwelt. 

Andrew Tyson begann seine Ausbildung an der Universität von North Carolina bei Thomas Otten, später besuchte er das Curtis Institute of Music in Philadelphia in der Klasse von Claude Frank. Seine Abschlüsse absolvierte er schliesslich an der Juilliard School in New York bei Robert McDonald. 

Der Gewinner des Concours Géza Anda und Preisträger im renommierten internationalen Leeds-Klavierwettbewerbs sowie im Concours Reine Elisabeth in Brüssel trat mit verschiedenen amerikanischen und europäischen Orchestern auf und war an Klavierabenden und Festivals in Nord- und Mittelamerika sowie in zahlreichen Ländern Europas zu hören. CD-Aufnahmen sind mit Werken von Chopin, Skrijabin und Ravel erschienen. 

Als Duo-Partner tritt Andrew mit dem Cellisten Jeong-Hyoun Lee und dem Geiger Benjamin Beilman auf.

PRESSESTIMMEN:
Aus den Notizen eines Jury-Mitglieds des Concours Géza Anda 2015: «Ein Pianist der Extraklasse, von einer zuweilen genialen Kreativität. Seine aussergewöhnlichen Mittel ermöglichen es ihm, ein Kaleidoskop von Ideen und oft auch von Überraschungen zu bieten. Er stellt sich mit seiner starken Persönlichkeit dem Komponisten gegenüber und jeder Satz gewinnt seine Bedeutung oder Charakterisierung.»

Die Tageswoche berichtete nach dem Finale: «Sobald der Amerikaner spielt, öffnet sich eine andere Welt. Auf einmal beginnt der Flügel zu singen, zu klingen, zu schweben. Tyson interpretiert Chopins erstes Klavierkonzert hochvirtuos, mit einer Leichtigkeit, die auch andere schon gezeigt haben – doch er schafft es dabei, das Stück ungemein poetisch zu gestalten, die komplexe Architektur dieser so leicht wirkenden Musik aufzuzeigen – und immer wieder erlaubt er sich überraschende Ausbrüche. Hier sitzt einer, der etwas zu sagen hat.» 

PROGRAMM:
Franz Schubert  (1797 – 1828)
Klaviersonate A-Dur
D 664 (1819)

Allegro moderato – Andante – Allegro

Leoš Janáček (1854 – 1928)
Klaviersonate «1. X. 1905 – auf der Strasse»
es-Moll (1905)

Die Ahnung – Der Tod

Michel Petrossian (*1973)
La lutte ardente du vert et de l’or
(1998/2013)

***

Mazurka cis-Moll
op. 50 Nr. 3 (1841)
Frédéric Chopin (1810 – 1849)
Nocturne E-Dur
op. 62 Nr. 2 (1846)

Etüde e-Moll
op. 25 Nr. 5 (1832-34)

Franz Liszt (1811 – 1886)
Rhapsodie espagnole
S 254 (1863)

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