Im stillen Kämmerlein brütend, ständig zwischen Schreibtisch und Klavier hin- und herwechselnd: So mag man sich die Arbeit der Komponisten vorstellen. In Tat und Wahrheit sah der Komponistenalltag meistens anders aus – und vor allem sehr unterschiedlich. Franz Schubert etwa komponierte offenbar in einem sehr strukturierten Tagesablauf, bei Mozart konnte das Komponieren dagegen in fast allen Momenten des Tages stattfinden. Eine Anekdote besagt, dass er sein Trio für Klarinette, Viola und Klavier während eines geselligen Kegelabends schuf. Sie lässt sich nicht belegen; sicher ist aber, dass Mozart die gleichzeitig komponierten 12 Hornduos KV 487 «unterm Kegelscheiben» komponierte, wie er eigenhändig auf den Noten vermerkte.

Beim Kegeln komponieren? Ganz abwegig ist der Gedanke nicht, wenn man bedenkt, dass der Kompositionsprozess meistens aus verschiedenen Phasen besteht, vom spontanen Einfall von Melodien und Themen über die Elaboration bis zur vollendeten Niederschrift. Dass der erste Schritt in allen Momenten des Tages erfolgen kann, ist auch von anderen Komponisten bekannt. Die sorgfältige Ausarbeitung hingegen dürfte kaum zwischen zwei Kegelwürfen erledigt worden sein.

Das Kegelstatt-Trio ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Es ist das erste Werk für diese nicht alltägliche Besetzung und damit auch Vorbild für Schumanns Märchenerzählungen. Dabei bewegen sich beide Melodieinstrumente, die Klarinette und die Viola, ungefähr auf derselben Tonhöhe, anders etwa als beim klassischen Klaviertrio mit Violoncello und Violine. Und besonders ausgeprägt sind die schroffen Kontraste und Stimmungsschwankungen, welche das Trio über alle Sätze bestimmt.

Robert Schumann schrieb seine Märchenerzählungen op. 132 in wenigen Tagen im Jahr 1853 nieder, in einer letzten Phase höchst produktiven Schaffens – ehe jene psychischen Leiden überhandnahmen, welche seinem Leben ein tragisches Ende bereiteten. Davon ist allerdings noch nichts zu hören: Vielmehr sind die Märchenerzählungen ein letztes Werk voller Lebenskraft, Fröhlichkeit, aber auch Feinsinn.

Max Bruch wiederum liess sich bei der Komposition seiner «Acht Stücke» von Schumanns Märchenerzählungen inspirieren. Es war aber auch eine Gabe an seinen Sohn Felix, der sich zu den führenden Klarinettisten seiner Zeit entwickelte. Es sind acht sehr unterschiedliche Stücke kürzerer Länge, ein lockerer Zyklus verschiedener spätromantischer Stimmungsbilder, und zeigt Max Bruch von seiner schönsten lyrisch-erzählerischen Seite.

PROGRAMM:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Trio für Klarinette, Viola und Klavier
Es-Dur KV 498
Andante – Menuetto – Rondo: Allegretto

Robert Schumann (1810-1856)
Märchenerzählungen
Vier Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 132
Lebhaft, nicht zu schnell – Lebhaft und sehr markiert – Ruhiges Tempo mit zartem Ausdruck – Lebhaft, sehr markiert

Max Bruch
Acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 83 (1908)
1. Andante
2. Allegro con moto
3. Andante con moto – Andante
4. Allegro agitato
5. Rumänische Melodie. Andante
6. Nachtgesang. Andante con moto
7. Allegro vivace, ma non troppo
8. Moderato

 

BIOGRAFIE:

Der Elsässer Paul Meyer zählt zu den herausragenden Klarinettisten, konzertiert regelmässig mit den weltweit führenden Orchestern und hat eine beachtliche Zahl an CD-Aufnahmen realisiert.

Er studierte in Paris und Basel und gewann mehrere bedeutende Preise. In New York traf er auf den legendären Benny Goodman, mit dem ihn bald eine für sein Leben und seine Karriere entscheidend wichtige Freundschaft verbinden sollte. Mit Vorliebe widmet sich Meyer der Kammermusik; dabei spielt er regelmässig mit Martha Argerich, Gidon Kremer, Maria João Pires sowie mit den meisten führenden Streichquartetten zusammen. In den letzten Jahren hat sich Meyer auch einen Namen als Dirigent gemacht.

Als einer der weltweit führenden Bratschisten verfolgt Gérard Caussé eine glänzende Karriere als Solist, sei es in Recitals oder an der Seite der namhaftesten Orchester und Dirigenten. Gleichzeitig ist er ein leidenschaftlicher Kammermusiker, der sich als «Vermittler» zwischen den hohen und tiefen Stimmen des Streichquartetts versteht und allgemein für seine musikalische Grosszügigkeit geschätzt wird. Zu seinen musikalischen Partnern zählen und zählten grosse Künstler wie Gidon Kremer, Mischa Maisky, Renaud Capuçon und Pierre Boulez. Gérard Caussé hat mit seiner einzigartigen Spielweise mehrere Generationen von Musikern beeinflusst, die nach seinem Vorbild Bratschisten aus Berufung geworden sind. Gérard Caussé spielt eine Bratsche von Gasparo da Salò aus dem Jahr 1560.

Seit einigen Jahren zählt der 1981 geborene französische Pianist David Fray zu den Top-Stars der jüngeren Generation. Anfang 2010 erhielt er den begehrten französischen Musikpreis Les Victoires de la musique classique als „Instrumentalist des Jahres“, weitere renommierte Preise folgten. David Fray, der sich als Sohn einer Deutsch-Lehrerin und eines Kant-und-Hegel-Forschers ausdrücklich zu seiner deutschen „Prägung“ bekennt. Er begann im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel und begeisterte sich schon als Jugendlicher für Bachs Passionen und Klavierwerke. David Fray sieht sein Vorbild vor allem in Wilhelm Kempff, dessen „perfekte Kombination aus strukturellem Denken und purer Poesie“ ihn beeindruckt. Genau diese Balance aus „Kopf und Bauch“ zeichnet auch David Frays Klavierspiel aus.