In Johann Sebastian Bachs kompositorischem Schaffen hat die Blockflöte einen einzig- und eigenartigen Rang: Sie kommt in besonderen Momenten in diversen

Kantaten und Oratorien wie auch zweimal solistisch in den Brandenburgischen Konzerten vor. Dabei reizt Bach die spieltechnischen Möglichkeiten auf dem Instrument nicht selten bis zur Grenze des Machbaren aus. Hingegen ist seltsamerweise keine genuine Sonate für Blockflöte aus seiner Hand erhalten, obwohl die Blockflöte mindestens im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts zu den Pflichtinstrumenten jedes Stadtpfeifers im mitteldeutschen Raum gehörte. Jedoch lassen sich Bachs Sonaten für Traversflöte sehr gut auf Blockflöte realisieren. Aus diesem herrlichen Fundus haben Dorothee Oberlinger und Edin Kamarazov ein vielseitiges Programm zusammengestellt und um weitere Bearbeitungen anderer Werke ergänzt.

Die Sonaten stammen aus verschiedenen Zeiten von Bachs Leben: Sie atmen zum Teil noch ganz barocken Geist (Sonate g-Moll) und führen zum Teil allmählich über in Bachs verspieltere und galantere Kompositionsweise seiner Leipziger Jahre (F-Dur, C-Dur). Die ersten Werke sind ferner Bearbeitungen anderer Gattungen: Die Suiten sind ursprünglich für Laute solo bzw. Violoncello solo, klingen aber auch in dieser Besetzung hervorragend.

Bach selber beherrschte das Flötenspiel offenbar nicht, hatte aber seit seiner Weimarer Zeit stets Flötisten um sich, die bei Bedarf in der Kapelle mitspielten. Der bekannteste unter ihnen ist Johann Heinrich Freytag (gest. 1720), der Travers- und Blockflöte gespielt und auch selber komponiert hat. Von ihm dürften Bachs frühere Flötensonaten denn auch aufgeführt worden sein.

PROGRAMM:

Johann Sebastian Bach  (1685-1750)

Suite d-Moll für Blockflöte und Basso continuo BWV 997
Prélude – Fuga – Sarabande – Gigue/Double

Suite Nr. 1 für Laute solo (original: Violoncello) BWV 1007
Prélude – Allemande – Courante – Sarabande – Menuet I/II – Gigue

Sonate g-Moll für Blockflöte und Basso continuo BWV 1034
Adagio ma non tanto – Allegro – Andante – Allegro

Partita c-Moll für Blockflöte solo BWV 1013
Allemande – Courante – Sarabande – Bourrée anglaise

Sonate F-Dur für Blockflöte und Basso continuo BWV 1035
Adagio ma non tanto – Allegro – Siciliano – Allegro assai

Sonate C-Dur für Blockflöte und Basso continuo BWV 1033
Andante/Presto – Allegro – Adagio – Menuet I/II

BIOGRAFIE:

Dorothee Oberlinger zählt heute zu den namhaften Vertreterinnen ihres Instruments. Ihr Debüt gelang ihr 1997 mit dem Ersten Preis in einem internationalen Wettbewerb in der Wigmore Hall London. Seither folgten zahlreiche Einladungen zu Konzerten und Festivals in ganz Europa, Amerika und Asien. Als Solistin spielt sie mit dem von ihr 2002 gegründeten Ensemble 1700 sowie mit renommierten Barockensembles und Orchestern wie den Sonatori de la Gioiosa Marca, Musica Antiqua Köln, der Akademie für Alte Musik Berlin, der Academy of Ancient Music oder London Baroque. Sie arbeitet in verschiedenen Projekten mit führenden Musikern der Alten Musik wie Reinhard Goebel, Giovanni Antonini, Vittorio und Lorenzo Ghielmi, Rachel Podger und Giuliano Carmignola.

Ihre CD-Einspielungen mit barocker Musik des 17. und 18. Jahrhunderts werden von der internationalen Fachkritik mit höchsten Auszeichnungen bewertet. Dreimal erhielt sie den ECHO Klassik-Preis nebst anderen CD-Auszeichnungen. Ihr erfolgreiches Debüt als Dirigentin gab sie 2011 in Salzburg, gefolgt von gefeierten Stationen bei den Tagen Alter Musik in Herne 2016 und bei den Göttinger Händel-Festspielen 2017.

Neben ihrer intensiven Beschäftigung mit der Musik des Barock widmet sich Dorothee Oberlinger immer wieder auch der zeitgenössischen Musik. So wirkte sie an der jüngsten CD „Touch“ des Schweizer Pop-Duos „Yello“ mit. Seit 2004 ist sie Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg wo sie das dortige Institut für Alte Musik leitet. Letztes Jahr war sie erstmals Intendantin der Potsdamer Musikfestspiele.

Edin Karamazov hat als Lautenist weltweit die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf sich gelenkt und wird regelmässig von Publikum und Musikkritik gefeiert. Von Sergiu Celibidache protegiert, begann er seine musikalische Karriere mit der klassischen Gitarre und hat Erste Preise bei insgesamt vier Gitarrenwettbewerben gewonnen. Seine Studien der Barocklaute schloss er bei Hopkinson Smith an der Schola Cantorum Basiliensis ab.

Mit international führenden Ensembles und Künstlern der Alten Musik wie dem Hilliard Ensemble, Hespèrion XX, Andreas Scholl sowie mit dem Popsänger Sting hat Edin Karamazov zahlreiche CDs eingespielt und weltweit konzertiert. Edin Karamazov spielt mehrere Zupfinstrumente verschiedenster Kulturen und Epochen und erkundet darüber hinaus die Einsatzmöglichkeiten von Lauteninstrumenten in Moderner Musik und zeitgenössischer Improvisation. Er schlägt die Brücke von der Alten Musik zur Neuen Musik mit Werken von John Dowland, über J. S. Bach bis zu Leo Brouwer, Ravi Shankar und Astor Piazzolla.

Karamazovs Diskographie beinhaltet Werke von Britten und Bach, zeitgenössische Musik und diverse Musik mit einer einmaligen stilistischen Vielfalt.